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Cloud Computing - Daten online Speichern (Teil 1: Grundlagen)




Bild © hywards, Fotolia

Haben Sie bei einem Meeting schon einmal vergessen, den USB-Stick mit wichtigen Dokumenten mitzunehmen? Beim Kundentermin eine falsche Datei dabeigehabt? Oder ärgern Sie sich manchmal über E-Mails mit großen Anhängen, die Ihr elektronisches Postfach belegen, sodass Sie vorerst keine weiteren E-Mails mehr bekommen können?

Würden Sie deshalb gerne unabhängig von Ihren Geräten (Rechner, Smartphone, Tablet) einen Browser starten, Ihre Anwendung aufrufen und immer alle wichtigen Daten und Dateien zur Verfügung haben - egal ob Sie zu Hause, im Büro oder unterwegs sind?

Das ist durchaus möglich. Voraussetzung ist, dass Daten und evtl. auch Software an einer zentralen Stelle (Cloud) abgelegt werden, auf die über ein Netzwerk (normalerweise das Internet) jederzeit zugegriffen werden kann.

Im privaten Bereich hat sich das Cloud Computing schon länger durchgesetzt. Begünstigt wurde das unter anderem durch die Cloud-Strategien einiger IT-Unternehmen wie beispielsweise Apple, Microsoft und Google, oder auch durch Soziale Medien wie Facebook und Twitter. Aber auch Cloud-Dienste wie Dropbox, Photoshop Express oder SkyDrive haben dieses Konzept populär gemacht.

Inzwischen ist das Cloud Computing auch eine Alternative für viele Firmen geworden. Hier geht es aber nicht nur um das Speichern von Dateien in einer Cloud, sondern um vielfältige IT-Dienste. Sie werden von den Anbietern zur Verfügung gestellt und auf den Bedarf der Anwender dynamisch angepasst und abgerechnet.

Cloud Computing – eine Definition

Beim Cloud Computing werden IT-Dienste wie beispielsweise Speicher- und Rechnerkapazitäten oder komplette Applikationen über das Internet bereitgestellt. Das bedeutet, dass Daten oder Programme sich nicht mehr auf dem lokalen Rechner befinden, sondern in einem entfernten Rechenzentrum gespeichert bzw. von dort ausgeführt werden. Der Anwender bekommt davon allerdings nicht viel mit. Die Nutzung erfolgt nach Bedarf und wird auch so abgerechnet.

IaaS, SaaS oder PaaS – was steckt hinter der Cloud?

Generell können drei Arten von Servicemodellen unterschieden werden:

Infrastructure as a Service (IaaS)

Hier greifen die Benutzer auf bestehende Dienste der Cloud-Anbieter zu. Dies sind zum Beispiel Server, Netzwerke, Speicherplatz oder Rechenleistung. Die Betriebssysteme und Anwendungen für diese externen Rechner müssen jedoch vom Kunden weitestgehend selbst verwaltet werden.

Zielgruppe: IT-Betrieb/IT-Dienstleister
Beispiele: Auslagerung von CPUs, Storage oder Datenbanken

Platform as a Service (PaaS)

Die Kunden nutzen hier Server, die von den Cloud-Anbietern betrieben werden. Die Anbieter übernehmen somit die komplette Pflege und Wartung der Server. Bei diesem Servicemodell können von den Nutzern individuelle Lösungen in der Cloud entwickelt, getestet, genutzt und verwaltet werden. Entwickler können dadurch auch von unterschiedlichen Rechnern aus auf zahlreiche und stets aktuelle Werkzeuge zugreifen.

Zielgruppe: Anwendungsentwickler, System-Architekten
Beispiele: App-Programmierung für Unternehmen, Web, Mobilbereich

Software as a Service (SaaS)

Die Anwender nutzen eine fertige, bestehende Software und müssen sich nicht um Lizenzen, Installationen, Updates oder die technische Infrastruktur kümmern. Dies wird alles von den Anbietern übernommen. SaaS ist für Endanwender gedacht, die sofort mit Anwendungen wie z. B. Textverarbeitung oder Tabellenkalkulation über das Internet im Browser starten wollen.

Zielgruppe: Endanwender, Privatkunden
Beispiele: Office-, CRM- oder ERP-Anwendungen

Private oder öffentliche Cloud – wo sind meine Daten?

Bei einer öffentlichen Cloud stehen die Dienste eines Anbieters für jedermann über das Internet zur Verfügung. Diese können sowohl kostenfrei (z. B. Google-Docs) als auch kostenpflichtig (z. B. Microsoft Office 365) sein.

Eine private Cloud wird häufig von Unternehmen selbst betrieben. Dabei stellen sie ihre IT-Dienste ausschließlich den eigenen Mitarbeitern zur Verfügung. Von einer privaten Cloud wird aber erst gesprochen, wenn Cloud-spezifische Merkmale wie z. B. Skalierbarkeit oder wartungsfreie IT-Anwendungen, die über einen Webbrowser aufgerufen werden können, auch verwirklicht sind.

Aus den beiden Formen hat sich inzwischen auch eine Mischform, die Hybrid Cloud entwickelt. Hier werden einige Services von öffentlichen Anbietern bereitgestellt, während hauptsächlich sicherheitskritische Anwendungen und Daten im Unternehmen selbst verwaltet werden. Wichtig ist eine konsequente Trennung von sicherheitskritischen Daten und Prozessen.

Vorteile für den Mittelstand

Kostenreduzierung: Ein Vorteil des Cloud Computing liegt darin, dass Unternehmen Technologien als Service nutzen können und diese nicht mehr in der eigenen Infrastruktur betreiben müssen. Da viele Tools normalerweise im Browser laufen, wird für die Nutzer der Services keine spezielle Software benötigt. Damit entfällt ein wesentlicher Kostenfaktor, der viele kleinere und mittlere Unternehmen zunächst abschrecken würde.

Ein Punkt sollte beim Kostenvergleich allerdings beachtet werden: Die Kosten sollten über die gesamte Nutzungsdauer verglichen werden und ggf. auch Kosten für erweiterte Funktionalitäten mit eingerechnet werden.

Skalierbarkeit: Die Unternehmen benötigen keine eigene Infrastruktur und können bei Speicher- oder Rechnerkapazitätsengpässen die Ressourcen je nach Bedarf buchen.

Weniger Zeitaufwand: In kleineren und mittleren Unternehmen bleibt für die Mitarbeiter häufig keine Zeit, sich intensiv mit einem Tool zu beschäftigen. Da die Anwendungen sofort über ein Webinterface aufgerufen und bedient werden können, entfällt die Einarbeitung in technische Details und somit ein wesentlicher Zeitaufwand.

Dies macht sich auch schon bei der Auswahl eines Tools  bemerkbar. Innerhalb einer Cloud können Testinstanzen relativ einfach zur Verfügung gestellt werden, sodass die Kunden das Tool testen und die benötigten Funktionalitäten evaluieren können. Müssten diese Testumgebungen im Unternehmen neu geschaffen werden, würde die Bereitstellung erheblich länger dauern.

Aktualität: Da sich beim Cloud Computing normalerweise Spezialisten in großen Rechenzentren um die Rechner kümmern, ist die Cloud immer auf dem neuesten Stand. Updates von Software oder Austausch von Hardware-Komponenten können während des Betriebs stattfinden und verursachen bei den Unternehmen keine langen Ausfallzeiten.

Nachteile

Es gibt natürlich auch Aspekte, die gegen die Nutzung des Cloud Computing sprechen. Deshalb sollten Unternehmen im Einzelfall immer die Vor- oder Nachteile gegeneinander abwägen.

Rechtliche Bedenken: Das grundlegende Konzept von Clouds, nämlich dass interne Daten und auch das Know-how eines Unternehmens extern gespeichert werden, kann zu einem Nachteil werden. Oft ist nicht klar, wo die Rechner stehen, auf denen Ihre Daten gespeichert werden. Dies kann zu datenschutzrechtlichen Problemen führen, da beispielsweise personenbezogene Daten nur ausnahmsweise in das außereuropäische Ausland gelangen dürfen und dort der Datenschutz dem deutschen Schutz entsprechen muss. Dies trifft häufig nicht zu.

Gefahr von Angriffen: Da bei einer Cloud zahlreiche Schnittstellen benutzt werden und die Daten auf verschiedenen Rechnern verteilt sein können, birgt dieses System auch die Gefahr von Angriffen.

Abhängigkeit von einem Anbieter: Oft müssen die Anwender ihre Systeme zur Extraktion der Daten (z. B. Kundendaten) an die Schnittstellen des Anbieters anpassen. Dies kann hohe Kosten und viel Zeit erforderlich machen. Bei einem Anbieterwechsel können die neuen Schnittstellen jedoch ganz anders aussehen, und das System muss wiederum angepasst werden.  

Auch der Zugriff auf die Rohdaten (z. B. bei einem Anbieterwechsel) ist nicht immer möglich. Beispiel: Kundendaten werden als Excel-Datei in die Cloud geladen. Änderungen an den Daten können aber nur über die vom Cloud-Anbieter bereitgestellte Anwendersoftware durchgeführt werden. Bei einem Anbieterwechsel kann es aber sein, dass der Nutzer die aktuellen Kundendaten aus der Cloud nicht als Excel Datei erhält.

Bei einer Insolvenz des Anbieters könnte es sein, dass Sie keinen Zugriff mehr auf Ihre Daten haben.

Internetverbindung: Besteht keine oder nur eine langsame Internetverbindung, kann nicht gearbeitet werden. Gerade in ländlichen Bereichen mit geringer Bandbreite kann dies eine erhebliche Einschränkung sein.

Weiter zu Teil 2 der Reihe Cloud Computing - Daten Online Speichern


Weitere Informationen über Gefahren, Risiken und Sicherheitstipps beim Cloud-Computing können beispielsweise auf der Internetseite des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik unter folgendem Link nachgelesen werden:

https://www.bsi-fuer-buerger.de/BSIFB/DE/SicherheitImNetz/CloudComputing/GefahrenRisiken/gefahren_risiken.html?notFirst=true&docId=3552920

 

 

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